Mythen aus dem Hobby – Aquarianer Latein

So mancher „Geheimtipp“ von Aquarianern beruht in Wirklichkeit nur auf anekdotischen Beobachtungen, Meinungen oder Traditionen, nicht auf überprüfbaren Daten oder Fakten. Sie müssen daher in das Reich der aquaristischen Mythen („Aquarianer-Latein“) verwiesen werden.

Auch Verkaufspersonal hat mitunter zwar viel praktisches Wissen über seine Produkte, jedoch wenig Verständnis für die wissenschaftlichen Zusammenhänge und Hintergründe. Denn Verkäufer sind in der Regel keine Wissenschaftler und können selber Mythen und Werbung aufsitzen wie ihre Kunden. Primär sind sie Verkäufer mit dem Ziel Umsätze zu machen. Ausnahmen sind goldeswert (für ihre Kunden).

Mythen verbreiten sich häufig über Mundpropaganda. Doch das beste Medium dafür bietet heute das Internet mit seinen „social media“. Im Internet kann sich jeder selber zum Experten erklären und Anekdoten, Meinungen, Werbesprüche oder Glaubenssätze und Bauernregeln ohne Quellen oder Belege präsentieren. Die vielen in Umlauf befindlichen Kopien und Versionen scheinen sich gegenseitig zu bestätigen und erwecken den Eindruck der Wahrheit und Glaubwürdigkeit. Doch gut gemeinte Ratschläge von Online-Freunden sind oft das Gegenteil von gut. Diese Erfahrung kann jeder besonders in den sozialen Medien des Internet machen, der dort auf jede Frage eine einfache Antwort per Mausklick erwartet.

(a) Warum glauben soviele Hobbyisten, was sie nicht beurteilen können? Dazu ein chinesisches Sprichwort:

Three men make a tiger.

Wenn eine Person behauptet, auf einem belebten Markt einen Tiger gesehen zu haben, wird man sie für verrückt halten.

Wenn zwei Personen behaupten, auf einem belebten Markt einen Tiger gesehen zu haben, wird man sich darüber wundern.

Wenn drei Personen behaupten, auf einem belebten Markt einen Tiger gesehen zu haben, so wird man ihnen glauben, selbst wenn dort ein Tiger völlig absurd wäre.

D.h.: Wenn eine absurde Information („Urban Legend„) von genügend vielen Personen wiederholt und bestätigt wird, vertraut man ihr.

Neue Erkenntnisse werden oft mit mehr Skepsis aufgenommen als alte Mythen, auch dann, wenn die Beweis- und Faktenlage gegen die Mythen spricht. („Das haben wir immer so gemacht.“) Dementsprechend dauert es mitunter lange, bis ein Mythos flächendeckend als solcher enttarnt/akzeptiert ist.

(b) Warum beharren („persevere“) soviele Hobbyisten auf falsche Annahmen, obwohl sie eines besseren belehrt werden?

Believe Perseverence Effect

Belief perseverance effect” says that if someone buys something, and especially if someone pays a lot of money for that something, even when presented with evidence they made their purchase in error, a normal person will rationalize and support their own decision. There is no way any evidence, testing or science can penetrate the walls that the belief perseverance effect puts up. So we won’t try.

Dennoch versucht nicht nur David Bogert, sondern eine kleine Schar kritischer Aquarianer den Fakten im Hobby zum Durchbruch zu verhelfen – im Sinne von Aufklärung für mündige Konsumenten und für glückliche Tiere in unseren Aquarien.

Zahlreiche Anregungen zum Buch entstammen solchen Seiten wie zum Beispiel von „Aquaristik ohne Geheimnisse„, „Afizucht Praktische Aquaristik und Zierfischzucht“ oder „Aquarium Science – The Science of Aquariums„.

Why Geology Matters

Vulcano, Liparische Inseln, Italien

Geologie ist kein eigenes Schulfach. Folglich zählen die geowissenschaftlichen Studien nicht zu den überlaufenen. Und doch beeinflussen geologische Verhältnisse und Ereignisse unser tägliches Leben. Wie und wo genau?

  • Wie funktioniert unser Planet? (das Klima, die Meere und Ozeane, die Kontinente und Platten)
  • Was ist Zeit? (Die Erde ist ca. 4,6 Milliarden Jahre, das Universum ca. 12 Milliarden Jahre alt. Vor 65 Millionen Jahren fand das letzte Massensterben statt. Vor 50 Jahren war der erste Mensch auf dem Mond.)
  • Was ist Raum? (ein Gebirge, ein Kristall; Think globally – Think cosmically!)
  • Wo findet Geologie statt? (im Feld, im Labor)
  • Wo sind neue Rohstoffe? (für Kabel, Batterien, Bildschirme)
  • Wo lauern Gefahren? (Vulkane, Erdbeben, Tsunami)
  • Wo sind die Schnittstellen zu anderen Disziplinen? (Chemie/Geochemie, Physik/Geophysik, Mathematik, Computersimulation, Astronomie, Biologie/Paläontologie, aber auch Umweltwissenschaften/Ökologie und Wirtschaft)

Inspired by „Dear College Students: You Should Take Geology“ in Wired on 31 August 2016, by Erik Klemetti.

Steinkrebse (Europa) versus Signalkrebse (Amerika)

„Schlechte Zeiten für Flusskrebse“

derStandard.at am 4. November 2017
http://derstandard.at/2000066918914/Schlechte-Zeiten-fuer-Flusskrebse

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brach die sogenannte „Krebspest“ über die Flusskrebse (u.a. Steinkrebse) herein, die ihre Bestände in ganz Europa dramatisch reduzierte. Hervorgerufen wird die Erkrankung durch einen aus Nordamerika stammenden Pilz, der 1860 in Europa eingeschleppt wurde.

In den 1970er-Jahren begann man, amerikanische Signalkrebse in europäischen Fließgewässern auszusetzen, um den Einbruch der hiesigen Arten auszugleichen. Was man damals noch nicht wusste, war, dass die amerikanischen Zuzügler selbst die Hauptüberträger der Krebspest (und selbst resistent dagegen) sind. Außerdem sind sie in vielen Fällen auch größer, aggressiver und damit stärker als die heimischen Arten, die sie seitdem vielerorts auf kleine Restbestände zurückgedrängt haben.

Als Allesfresser, die auch Reste von Tieren und Pflanzen verwerten, spielen die Flusskrebse eine wertvolle Rolle als „Gesundheitspolizei“ im Wasser. Außerdem dienen sie vielen anderen Lebewesen als Nahrung, wie Reihern, Kormoranen, Bisamratten oder auch – solange sie klein sind – Fischen und großen Wasserinsekten. Das Aussterben der heimischen Flusskrebse wäre auch das Aus für die auf ihnen lebenden Arten von Krebsegeln oder Branchiobdelliden.

Seit 2016 verbietet eine EU-Verordnung die Haltung und das Aussetzen von fünf invasiven Krebsarten (darunter der Signalkrebs), aber im Aquarienhandel sind viele weitere Arten problemlos erhältlich.