Warum Fact Checking?

Beim Fact Checking geht es um die Prüfung von Informationen auf Richtigkeit. Eine Information ist richtig, wenn sie im Einklang steht mit dem, was wir über den beschriebenen Sachverhalt sonst noch wissen (oder wissen könnten). Das kann wissenschaftlich approbiertes Wissen sein. Oder einfach ähnliche Informationen aus unabhängigen Quellen. Daher ist der nächste Schritt stets, die Quellen zu überprüfen.

Plausibilität

Plausibilität allein ist kein ausreichendes Kriterium, da nicht alles, was plausibel klingt, auch richtig sein muss. Umgekehrt ist eine Information, die unplausibel erscheint, ein heißer Kandidat für einen Faktencheck.

Was sind Fakten?

Fakten sind jene Erfahrungen der Wirklichkeit, auf welche wir uns als Menschen angesichts der Wirklichkeit verständigen können.

Eine Information beschreibt einen Ausschnitt der Wirklichkeit, eines Faktums, im einfachsten Fall mit JA oder NEIN. Die Qualität einer Information lässt sich an der Wirklichkeit überprüfen. Andernfalls handelt es sich nicht um Information, sondern um Meinungen, Phantasien (Satire, Kunst), Anekdoten oder Mythen, Verschwörungserzählungen oder Pseudo-Wissenschaft.

Eine Information kann richtig, falsch, unvollständig, aus dem Zusammenhang gerissen, fehlerbehaftet oder absichtlich irreführend und manipulativ sein. Nur letztere bezeichnen wir als Desinformation. Fehlerhafte Information ohne Absicht zum Fehler wird als Missinformation bezeichnet.

Was sind Fakes?

Fakten werden oftmals absichtlich nicht richtig dargestellt, um eine Um-Interpretation der Wirklichkeit oder eigene Interessen zu pushen. Dann werden Beschreibungen der Fakten zu Fakes (eigentlich Täuschungen). Beim Verdacht auf Fakes liegt eine Überprüfung der Quelle nahe. Welche Institution oder Person, welche Ideologie, welches Produkt oder wieviel Geld steht hinter einer Desinformation?
Zugleich sucht man nach weiteren, zuverlässigeren Quellen, um eine Information zu bestätigen oder zu falsifizieren. Dabei muss man auf die Unabhängigkeit der Quellen voneinander achten. Denn nicht selten lassen sich verschiedene Quellen auf einen Ursprung zurückverfolgen, von dem sie alle abgeschrieben haben. Bei der Beurteilung von Quellen/Urhebern kann auch das Medium entscheidende Hinweise liefern, da seriöse Medien ihre Inhalte selber prüfen.

Wer nichts weiß, muss alles glauben. Aber man muss nicht alles selber wissen, wenn man über Informationskompetenz verfügt. Um falsch von richtig unterscheiden zu können, braucht es kritisches Denken bzw. kritisches Hinterfragen:
Wenn die Werbung die Erfüllung seiner Wünsche und die Lösung aller Probleme verspricht, muss man nicht alles glauben, nur weil es gerade in den eigenen Kram passt.

Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr – oder zumindest nicht ganz. Wer es genauer wissen und vor allem verstehen will, kommt nicht um einen Faktencheck herum.

The Making of Mythen & Marketing in der Aquaristik

Wenn ich ein Buch suche, das es noch nicht gibt, muss ich es selber schreiben.
Zwischen Einsteigerliteratur und Ratgebern auf der einen Seite und wissenschaftlicher Fachliteratur auf der anderen Seite klafft ein beträchtlicher Spalt. Es fehlt Hobby-Literatur für den fortgeschrittenen Anfänger. Für diese Informationslücke habe ich die Reihe „Mythen & Marketing in der Aquaristik“ geschrieben.

Ziel

Wer erklärt mir als Hobby-Aquarianer und Natur-Interessiertem die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Hobbys,

  • wenn ich nicht Biologie/Ökologie/Chemie/Physik studieren will.
  • wenn ich keinen Wissenschaftler im Verein kenne.
  • wenn ich bereits die Einsteigerliteratur gelesen habe.
  • wenn mein Wissen über das Aquarium hauptsächlich von JBL (unterhält einen umfangreichen Blog) stammt?

Problem

Das Marketing der Aquaristik-Industrie, von der Produktbeschreibung über Werbung bis zu Ratgebern (Content Marketing) ist weder objektiv noch wissenschaftlich fundiert. Denn es will verkaufen und Umsatz machen. Nicht nur Aquarianer lassen sich von Marketing-Leuten Produkte aufschwatzen, die sie nur rudimentär verstehen, wenn überhaupt.

Einzelne Marken (z. B. von JBL, sera, Tetra, Microbe-Lift/Arka, Seachem, Easy-Life u.v.a.) schaffen einen Produktkosmos zum Zwecke der Markenbindung. Da sie die höheren Werbe-Budgets haben, werden ihre Geschichten, Mythen und Marketing-Sprüche in Shops, YouTube-Videos, auf Produkt-Sites und Ratgeber-Foren gesehen, gehört und irgendwann geglaubt. Als Marken-Fan ist man schnell wie in einer Sekte gefangen. (Sprich mal mit einem iPhone-Besitzer oder einem Aquascaper!) Dann gaukeln uns die Marken vor, wie die Welt der Aquaristik sei oder zu sein hätte, anstatt dass WIR ihnen erklären, wie unser Hobby funktioniert.

“Belief Perseverance” – Faktenresistenz

The “Belief Perseverance Effect” (Faktenresistenz) says that

„if someone buys something under a certain belief, and especially if someone pays a lot of money for that something, even when presented with evidence they made their purchase in error, a normal person will rationalize and support their own decision. There is no point in trying to use logic or science to change such a person’s mind.“ (by David Bogert)

M&M sind nicht bloß andere Meinungen oder Ansichten, sondern Fehler, Anekdoten, Missverständnisse und Irrtümer oder Werbeversprechen, die sich um einen wahren Kern ranken und den Wahrheitsanspruch stellen. Sie wollen geglaubt werden, auch wenn die Fakten gegen sie sprechen.

Lösung

Mythen & Marketing in der Aquaristik haben einen wahren Kern. Dieser wird im „Faktencheck“ freigelegt. Das Mythische wird den Fakten gegenüber gestellt. Wissenschaftsbasiertes Wissen wird im Kontext des Hobbys erklärt oder seine Relevanz für das Hobby sichtbar gemacht. Zitate dokumentieren die Standpunkte von Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Hobby. Mit den Quellenangaben erhält der kritische Leser zudem ein umfassendes Verzeichnis von für das Hobby relevanten Autoren, Büchern, Artikeln und Websites, die zum selber Recherchieren und Nachlesen einladen. Auf dass wir aus dem Hobby auch etwas fürs Leben lernen!

Die Serie soll auch ein Plädoyer für Bücher sein. Bücher, im Gegensatz zu Internetmedien, enthalten mehrfach geprüfte und dauerhaft überprüfbare und verfügbare Inhalte mit Autor und Erscheinungsjahr (Verlag, Lektor, Gutachter etc.). Bücher können in (fast) jeder Bücherei (mit Fernleihe) angefordert werden.

Fragenbasiertes Lernen mit einem Aquarium

Kinder lernen Fragen zu stellen, Antworten kritisch zu hinterfragen, Beobachtungen zu reflektieren, planvoll und verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen zu setzen. Dabei lernen sie wissenschaftliche Prinzipien und Konzepte kennen.

  • Welche Fischart ist meine Lieblingsart und warum?
  • Wie schaut es in den Heimatbiotopen unserer Zierfische aus? In welchem Zustand befinden sie sich (z. B. im Amazonas-Fluss-System)?

Staunen

Ein Aquarium weckt Neugier und erregt Interesse.

Beobachten

Ein Aquarium regt zur Beobachtung an und belohnt mit der Entdeckung exotischer Tiere und deren Verhalten bis hin zum Verstehen eines kleinen, aber komplexen Ökosystems.

Fragen

Wer viele Fragen stellt, wird am Ende das Ökosystem ‚Aquarium‘ besser verstehen. Und nebenbei schafft ein Aquarium Verständnis und Awareness für den Schutz der Umwelt (insbesondere von Regenwäldern und Gewässern). Fragen fördert nicht nur das Wissen, sondern das Verständnis und das kritische Denken. Dabei wird die Fähigkeit zur Analyse und Synthese (zum Verknüpfen von Informationen) gestärkt.

  • Was gibt es in dem Glaskasten zu sehen, der zwar völlig transparent, aber dennoch nicht auf einen Blick zu erfassen ist?
  • Wieviele verschiedene Arten befinden sich im Becken? Lassen sich Muster im Verhalten erkennen (Rivalität, Balz, Fressen, Spielen)?
  • Wodurch unterscheiden sich verschiedene Aquarien? Wie weit hat die Gestaltung mit den Bedürfnissen der Fische (mit ihren Heimatbiotopen) zu tun?

Planen

Aus den Beobachtungen lassen sich weitere Schritte planen wie Füttern, Wasserwechseln, Pflanzenpflege. Dazu sind weitere Informationen erforderlich. Kinder lernen sich besser zu informieren, mit Informationen und Medien umzugehen.

  • Wie recherchiert man zielgerichtet Informationen, um bessere Entscheidungen zu treffen?

Umsetzen

Jede Maßnahme führt zu einem Effekt oder Ergebnis. Kinder üben, ihre Handlungen kritisch zu hinterfragen und lernen über artgerechte Haltung.

  • War das die richtige Maßnahme? Was könnte man beim nächstenmal verbessern?

Fazit

Man kann jedes Tier (am Futterhaus, im Zoo, am Bauernhof, in Wald und Wiese) beobachten und daraus etwas lernen. Tierbeobachtung schärft die Sensibilität für Natur und Umwelt.

„Animal observation builds bigger skills—curiosity, critical thinking, and care for the natural world.“

Quelle der Inspiration

Inquiry-Based Learning. Encouraging Students’ Curiosity With Animal Observations. By Shelby Guthrie, April 28, 2025, Edutopia

„Watching animals—either outdoors or via an online live cam—is an engaging way for students to build their critical thinking skills.“

KI als Ratgeber

Hervorgehoben

Kürzlich hat mich eine KI-Suchmaschine auf der Suche nach Mythen & Marketing zum Wasserwechsel auf eine Website geführt, die mit KI-generierten Texten und Bildern gestaltet wurde.

Bild: Die KI hat noch nicht die Funktion einer Schlauchverbindung verstanden. Da nützen auch Hände mit 7 Fingern nichts.

Der Text klingt aufs erste ganz interessant. Doch wenn man ihn zusammenfassen möchte, bleibt er irgendwie unbestimmt, allgemein, ein Sammelsurium aus Phrasen.

Die Gesundheit Ihres Aquariums und seiner Bewohner wird es Ihnen danken.

Die Häufigkeit des Wortes „Aquarium“ fällt auf. Damit soll die Seite offensichtlich für Suchmaschinen optimiert werden (SEO search engine optimization).

Und hier beginnt das Problem:
Die Marketing-Abteilung produziert Content mit KI-Unterstützung. Die KI unterscheidet nicht zwischen Fakten und Werbung. Sie mischt verschiedene Dokumente statistisch korrekt zusammen. Solche Texte werden anschließend ins WWW gestellt und dienen wiederum als „Lernmaterial“ für den KI-Algorithmus. Die nächste KI-Suchmaschine (z.B. perplexity) gibt den Content-Marketing-Text als Quelle ihrer Antwort aus.

Dadurch bestätigen sich die KI-generierten Texte selbst, indem sie sich immer wieder in neuen Variationen wiederholen. Neue Erkenntnisse darf man sich daraus nicht erwarten.

M&M: „Führen Sie niemals einen zu großen Wasserwechsel auf einmal durch, da dies das biologische Gleichgewicht im Aquarium stören kann. Empfohlen sind Wechsel von 20-30% des Wasservolumens.“

Was bedeutet hier „biologisches Gleichgewicht“?

„Das biologische Gleichgewicht im Aquarium ist ein sensibles System, das durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden kann. Ein sachgerechter Wasserwechsel ist entscheidend für die Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts.“

Mehr dazu in Band 5 „Mythen & Marketing in der Aquaristik“!